Pressemeldungen

Pressemeldung der TU Berlin, 28. Mai 2010

Pressemeldung der DFG, 5. Mai 2010

Neues DFG Schwerpunktprogramm Autonomes Lernen

(von Marc Toussaint, Berlin 18. Mai 2010)

Wie funktioniert Lernen? Können intelligente Systeme in Zukunft so flexibel und selbstständig lernen wie Menschen? Zu diesen Themen fördert die Deutsche Forschungsgemeinschaft ein deutschlandweites Forschungs-Schwerpunktprogramm mit dem Titel Autonomes Lernen.

Während die Forschung am Lernen seit langem Gegenstand der Geisteswissenschaften ist, versuchen seit einiger Zeit auch Informatiker, Mathematiker, und Ingenieure die Fähigkeit zu lernen besser zu verstehen. Nach dem Motto ich verstehe es, wenn ich es konstruieren kann wird versucht, Systeme (also Algorithmen und Roboter) zu entwickeln, die lernfähig sind. Viele dieser konstruktiven Herangehensweisen an das Lernen basieren auf einer recht reduzierten Sichtweise: Lernen = Modellieren statistischer Abhängigkeiten in Daten. Obwohl dieser Ansatz sehr erfolgreiche Methoden der Datenanalyse hervorbrachte und damit große Fortschritte in der Genetik und Hirnforschung ermöglichte, ist er offensichtlich nicht hinreichend, um das selbstständige Lernen nach dem Vorbild des Menschen zu verstehen.

Denn Lernen bedeutet weit mehr: Menschen lernen durch aktive Exploration ihrer Umwelt — statt passiv gegebene Daten zu verarbeiten erforschen sie Ihre Umwelt, sind neugierig, und bestimmen damit aktiv die Daten. Lernen bedeutet auch, Abstraktionen zu entwickeln, Begrifflichkeiten und Sichtweisen zu (er-)finden, die das Erfahrene konzentrieren und überschaubar machen. Lernen ist ein inkrementeller Prozess, bei dem auf jeder Stufe auf den Abstraktionen der vorherigen Ebene aufgebaut wird. Die Forschung an diesen Aspekten des Lernens gewinnt in letzter Zeit immer mehr an Bedeutung. Falls wir je in der Lage sein werden, intelligente und lernende Systeme zu konstruieren, werden diese Aspekte die zentrale Rolle spielen. Deshalb ist dieses Forschungsgebiet in vielerlei Hinsicht zentrale Basiswissenschaft sowohl für die Entwicklung neuer Technologien als auch für die Kognitionswissenschaften.

Mit dem neuen Forschungs-Schwerpunktprogramm Autonomes Lernen wird die DFG in den kommenden 6 Jahren gezielt Forschung in diesem Gebiet mit einem geplanten Gesamtvolumen von ca. 15 Mio. Euro fördern. Anders als lokal fokussierte Exzellenz-Cluster wird es deutschlandweit Projekte finanzieren, koordinieren und vernetzen, um die strategische Entwicklung dieses zukunftsweisenden Forschungsgebiets in Deutschland zu sichern. Initiiert wurde das Programm von einer Runde deutscher Experten auf diesem Forschungsgebiet, unter anderem von Marc Toussaint (TU Berlin), Helge Ritter (U Bielefeld), Jürgen Jost (MPI Leipzig) und Christian Igel (RU Bochum). Koordinator des Programms ist Marc Toussaint, ein Forscher der TUB auf dem Gebiet des Maschinellen Lernens und der Robotik, dessen Forschungsgruppe im Rahmen des Emmy Noether Programm der DFG gefördert wird. Weitere Informationen finden Sie unter http://autonomous-learning.org/.